Stiftungsfestrede des Sprechers der Aktivitas im SS 2013

Liebe Bundesbrüder,
Verehrte Festcorona!

ich möchte diesen feierlichen Kommers nutzen und mein Amt als Sprecher der Aktivitas im SS 2013 einen Moment missbrauchen, um euch neben der Festrede unseres lieben Alten Herren Magers auch noch mit einigen Worten meinerseits zu langweilen. Neben ein paar Sätzen zum vergangenen Semester möchte ich aber auch noch ein paar Worte sprechen, die mir persönlich sehr am Herzen liegen.

Ich habe mich dieses Semester bewusst dafür entschieden, etwas mehr Engagement in die Burschenschaft zu stecken und etwas weniger in die Uni zu gehen.
Schließlich hatte die Rheno beinahe zehn Jahre lang, sagen wir, „die Luft angehalten“. Doch diese meine Auszeit allein hätte nicht viele verwundert. Doch warum ausgerechnet in der Burschenschaft, fragten viele. Ist diese zusätzliche Zeit nicht viel besser auf die Hochschulpolitik verwendet? Auf Amnesty International? Auf mein Engagement bei der FDP? Ich möchte mir kurz selbst die Frage stellen, ob das Ganze es dieses Semester wert war. Aber jeder einzelne der heute Anwesenden kann kurz in sich gehen und sich fragen, warum er heute Abend eigentlich hier sitzt.

Drei Fragen möchte ich stellen. Die erste lautet: was machen wir hier? Warum sind wir nicht woanders? Daheim bei der Familie, in der Kneipe mit den Freunden, am Schreibtisch? Was zeichnet eine Burschenschaft – unsere Burschenschaft – heute noch aus, dass sie es wert ist, die eigene Freizeit dafür zu opfern?
Nun kann man an erster Stelle als Student – stellenweise auch als Alter Herr – sagen: das Leben würde ohne die Rheno offenkundig nur halb so viel Spaß machen. Was wäre ein Studentenleben, ohne dass hin und wieder die katholischen Studenten mit einem offenen Fenster dazu einladen, die Innenaustattung näher zu begutachten oder ein feucht-fröhlicher Wochenendtag bei unseren liebsten Konstanzer Farbenbrüdern, den ‚Cimbrioten‘? Doch all das ist offensichtlich. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass es kein aufregenderes Studentenleben gibt als das eines Korporierten.
Doch ist das die Rheno? Mehr nicht als ein Haufen Bierseeliger, der sich selbst und dem Bier eben ein Leben lang treu bleibt? Ich bin mir sicher, das nicht.

Andere würden nun sagen: Burschenschaften, die Studenten, das sind schon immer die intellektuelle Speerspitze der Gesellschaft gewesen! Sind wir das? Ich denke, dass wir sind ebenso wenig die intellektuelle Speerspitze der Gesellschaft sind. Wer das behauptet, der hat noch nicht mit klarem Verstand die Zerstrittenheit der Deutschen Burschenschaft ins Auge gefasst. Nichtsdestotrotz sollte das unser Anspruch sein – es stimmt ja: Burschenschaften waren Anstoß, waren Speerspitze, waren Fortschritt. Deshalb würde ich sagen: zurück zum Fortschritt!

Nun, was zeichnet uns dann aus, wenn nicht ein Charakter als progressiv-intellektuelle Elite? Außer einem überdurchschnittlichen Trinkvermögen? Ich denke, es ist unsere innere Haltung. Eine burschenschaftliche Mentalität. Ein kritischer Geist – wie auch immer dieser politisch geartet ist. Wenn unsere Bürgerrechte durch Geheimdienste mit Füßen getreten werden, dann müssen wir unsere Klappe aufmachen! Wenn der Geist der Demokratie in der Europäischen Union längst erloschen scheint – dann müssen wir immer noch aufschreien! Und wenn dagegen protestiert wird, dass die Bundesrepublik ihren zu Zeiten der nuklearen Bedrohung selbstverständlichen Bündnispflichten nachkommt – in der Türkei, im Kosovo, in Afghanistan – dann müssen wir die aufgebrachten Demonstranten zur Räson bitten. Dann dürfen wir uns nicht von pauschalen Ideologien und abgestumpften Dogmatikern beeinflussen lassen.  Wir müssen kritisch bleiben, abwägen, reflektieren. Wir müssen uns gegenseitig zurufen: empört euch! Und wir müssen uns gegenseitig beschwichtigen und sagen: zeigt Verständnis.

Die zweite Frage, die ich stellen möchte, lautet: wer bin ich eigentlich? Wo genau steht ein Burschenschafter heute – wo steht er in der Gesellschaft? Die Antwort, liebe Bundesbrüder, verehrte Gäste, ist mir ernst: wir Burschenschafter stehen in der Mitte der Gesellschaft. Wir gestalten diese mit. Wie konkret?

Wir treten für die Freiheit der Menschen dieses Landes ein – unter Umständen auch in Opposition zur Regierung und nicht, wie früher, gegen den Feind von außen. Wir treten aber auch für unser Vaterland ein. Wir Burschenschafter zeigen Solidarität: mit den Menschen in Passau, Regensburg, und anderen Hochwasser-Städten.
Wir verrichten Dienst an der Waffe, jedoch auch Dienst an den Mitmenschen unserer Gemeinschaft. Wir vertreten ihre Interessen als Bürgermeister, Sozialdezernten,  Politiker. Wir übernehmen Verantwortung, wir wollen uns verantwortungsvoll zeigen in der Gesellschaft. Das bringt – unter anderem – unser Ehrbegriff zum Ausdruck. Worauf ich hinaus will: das, und nichts anderes, ist unser Wahlspruch!
Ehre, Freiheit, Vaterland ist die Mitte unserer Gesellschaft, holen wir unser Selbstverständnis endlich ebenfalls zurück in die Mitte der Gesellschaft!

Ich habe nun die Fragen gestellt: was zeichnet einen Burschenschafter aus und wo steht der Burschenschafter in der heutigen Gesellschaft. Die dritte Frage lautet:
„so what?“ Was bedeutet das für uns als Rheno, hier in Konstanz, heute Abend?
Es bedeutet – in meinen Augen – dass wir uns beispielsweise vom rechtsextremen Burschenschaftertum ebenso deutlich abgrenzen sollten wie von der verlockenden Beliebigkeit, immer mit dem Mainstream wie ein Grashalm im Wind zu schwingen. Auch die Rheno hat nur eine Zukunft in der Mitte der Gesellschaft. Das heißt: bei uns sind alle willkommen, ob sie einen österreichischen, italienischen oder japanischen Pass besitzen – solange sie die Ziele, die Geschichte und die Ideale unserer Gemeinschaft teilen! Und noch ein zweites Beispiel möchte ich anbringen, was es für uns Rhenos heißen sollte, Burschenschafter in Konstanz zu sein.
Unser kritischer Geist hat seine Wurzeln und seine Heimat an der Hochschule. Dort ist unser Zuhause und dieses Zuhause sollten wir nicht in Gleichgültigkeit denen überlassen, die auf ewig grün hinter den Ohren bleiben werden.

Zum Schluss: in diesem Sinne haben wir Aktive versucht, das letzte Semester zu gestalten: wir haben Linksjugend und Junge Sozialisten zu Beginn des Semesters eingeladen, mit uns über den volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff zu diskutieren. Wir haben uns an der Universität den Fragen und der Kritik der Studenten gestellt. Wir haben mit Vbr. Henning Roeder von der B! Alemannia Stuttgart über die IBZ und die Zukunft der DB diskutiert. Wir haben mit zahlreichen Gästen bei gutem Pfeifentabak das schöne Leben genossen. Und wir haben eine erfolgreiche Mensur bei den Waffenbrüdern der Burschenschaft Alemannia in Heidelberg geschlagen.

Meine lieben Bundesbrüder, verehrte Festcorona: die Rheno hatte ein wenig die Luft angehalten. Doch heute atmen wir wieder.

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